Das Kuhhirten-Denkmal

Das Bochumer Kuhhirten-Denkmal zählt fraglos zu einem der bekanntesten Denkmäler der Stadt. Inmitten der Bochumer Innenstadt und vor der Propsteikirche St. Peter und Paul steht es in zentraler Lage und dient als Treffpunkt für zahlreiche Bochumer:innen. Heute hat sich in Bochum teilweise die Geschichte durchgesetzt, dass der auf dem Denkmal abgebildete Kuhhirte Fritz Kortebusch darstellen solle, „den letzten Bochumer Kuhhirten“. Allerdings konnte zuletzt nachgewiesen werden, dass der Hirte eigentlich Diederich Henrich hieß und er auch nicht der letzte Bochumer Kuhhirte gewesen ist. Vielmehr sollte der Kuhhirte damit dem sich durch die Industrialisierung rasant entwickelnden Bochum seine landwirtschaftlichen Wurzeln vor Augen halten und als Symbolfigur stehen.

Das erste Kuhhirten-Denkmal wurde am 29. Mai 1908 auf dem damaligen Marktplatz am Rande der Bochumer Altstadt feierlich enthüllt. Um die Jahrhundertwende hatten einige andere Städte in der Nähe wie Dortmund oder Münster bereits ein Denkmal errichten lassen, das an die vergangene agrarwirtschaftliche Zeit erinnern sollte. 

Das heutige Denkmal. Foto: Thorben Pieper
Das Kuhhirten-Denkmal 1935. Foto: Stadt Bochum / Bildarchiv

Der Magistrat der Stadt beauftragte Professor August Schmiemann mit der Errichtung einer Bronzefigur, da dieser bereits den Münsteraner „Kiepenkerl“ geschaffen hatte. Im Vergleich zum heutigen Denkmal zierte das alte noch eine Bronzeplatte, die an der Vorderseite angebracht war, und einen Kuhhirten mit seiner Herde vor den alten Fachwerkhäusern am Marktplatz sowie der Propsteikirche zeigte.

Nachdem es während des Ersten Weltkrieges und der Weimarer Republik ruhig um das Denkmal geworden war, erlangte es erst in der NS-Zeit negative Aufmerksamkeit: Im Rahmen des von Hermann Göring erlassenen Aufrufs zur „Metallspende des deutschen Volkes zum Geburtstag des Führers im Kriegsjahr 1940“, den dieser unter anderem auch an Kommunen richtete, sollten zahlreiche Metallgegenstände – unter anderem solche aus Bronze und Eisen – zur Unterstützung der Kriegswirtschaft eingeschmolzen werden. Die Materialsammlungen intensivierten sich ab 1940 und wurden zur „nationalen Aufgabe“ erklärt sowie vor Ort oft von der NS-Volkswohlfahrt, der Hitler-Jugend und Schulen durchgeführt. Anfang der 1940er Jahre wurde das bronzene Kuhhirten-Denkmal dann mitsamt dem Denkmal für Graf Engelbert III. von der Mark sowie dem Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus Gerthe abtransportiert und wahrscheinlich in eine der nahe gelegenen Zechen zur Weiterverarbeitung gebracht.

Graf Engelbert-Denkmal, Kuhhirten-Denkmal, Soldaten-Denkmal kurz vor der Einschmelzung. Foto: Stadt Bochum, Bildarchiv.

Das heutige Denkmal, welches optisch dem ersten nachempfunden ist, wurde dann 1962 vom damaligen Oberbürgermeister Fritz Heinemann an neuer Stelle eingeweiht und vom Bochumer Bildhauer Walter Kruse angefertigt. Dieses befindet sich heute in unmittelbarer Nähe zum alten, das nur wenige Meter entfernt gestanden hat.

/Thorben Pieper

Weiterführend siehe auch: Hansi Hungerige/Heiko Hungerige: Der Bochumer Kuhhirte Kortebusch, in: Bochumer Zeitpunkte. Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege Nr. 40 (2019), S. 16-37. Kostenlos downloadbar unter: https://www.kortumgesellschaft.de/tl_files/kortumgesellschaft/content/download-ocr/zeitpunkte/Zeitpunkte-40-2019OCR.pdf

Enthüllung des neuen Denkmals 1962. Foto: Stadt Bochum, Bildarchiv.

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