Trauer um Hubert Schneider

Nachruf auf Dr. Hubert Schneider (28.06.2022)

Das Team von Lernen durch Erinnern trauert um Hubert Schneider (18.06.2022)

Hubert Schneider war einer der bedeutendsten Bochumer Historiker unserer Zeit. Mit seinen zahlreichen Forschungen und Publikationen hat er maßgeblich zur Erforschung der Bochumer Geschichte, insbesondere zur jüdischen Geschichte Bochums, beigetragen. Neben der Veröffentlichung unzähliger Bücher hat er auch die Bochumer Erinnerungslandschaft stark geprägt. Wo immer man in Bochum aktiv die Erinnerungslandschaft gestalten wollte, traf man auf Hubert Schneider: Der Bochumer Stelenweg, der Erinnerungsort Nordbahnhof sowie viele weitere Erinnerungsorte und -projekte profitierten von seinem unendlichen Wissen sowie seinem ehrenamtlichen Engagement.

Meine erste Begegnung mit Hubert Schneider war im Bistro der Ruhr-Universität. Mit Freunden organisierte ich ein studentisches Initiativprojekt – eine Ausstellung über jüdische Erinnerungskultur in Osteuropa –, bei der wir auch in Bochum einzelne Workshops mit Expert*innen durchführen wollte. Schneider zeigte sich begeistert und unterstützte unser Projekt direkt. Ein lediglich kurzer Austausch über den Workshop resultierte in einem einstündigen Gespräch und einer Einladung für das Team zu ihm nach Hause, wo er uns Fotos und Tagebücher aus den Nachlässen von verfolgten Bochumer*innen zeigte. Später führte er alle Teilnehmer*innen durch die Bochumer Innenstadt und erzählte deren Geschichte(n). Sein biographischer Zugang und sein imposantes Wissen über die jüdische Stadtgeschichte Bochums faszinierte und beeindruckte nicht nur alle Teilnehmenden, sondern begeisterte mich persönlich auch für die „staubige“ Lokalgeschichte. Hubert Schneider war nicht nur ein guter Historiker, sondern auch ein guter Geschichtsvermittler, dem die Geschichten der Bochumer*innen nahe gingen und dem die Erinnerung an diese äußerst wichtig war.

Diese Begeisterung für Stadtgeschichte manifestierte sich schließlich in unserem zweiten Projekt – Lernen durch Erinnern. Auch bei diesem profitierten wir maßgeblich von Hubert Schneider, der uns zunächst bei der Bewerbung unterstützte und während des Projekts beratend zur Seite stand und uns seine Sammlung, seine Führungen sowie private Bibliothek zur Verfügung stellte. Als Historiker und ehemaliger Hochschullehrer hatte Hubert Schneider ein unglaubliches Wissen, das er mit allen Interessierten gerne teilte, einem jedoch nie aufzwang. Vielmehr war er selbst äußerst interessiert an Uni und Schule und erkundigte sich regelmäßig nach den eigenen Plänen, bestärkte diese und half, wo er konnte.

Das selbstlose Teilen seines Wissens sowie seiner gesammelten Quellen, die große Unterstützung jeglicher Art und das beeindruckende Engagement für die Bochumer Stadtgeschichte sowie Gestaltung der Bochumer Erinnerungslandschaft zeichneten den Historiker Hubert Schneider aus, der in der Erforschung der jüdischen Geschichte Bochums eine Lebensaufgabe gefunden hatte. Zugleich füllte er diese Rolle menschlich auf eine beeindruckende Art und Weise: stets freundlich, ruhig, hilfsbereit, engagiert, entgegenkommend und interessiert – vorbildhaft!

Hubert Schneider hinterlässt Bochum zum einen ein extrem beeindruckendes Lebenswerk und zum anderen eine riesige Lücke in der Zivilgesellschaft. Nach seinen ganzen Leistungen für die Stadt(geschichte) Bochum(s) sollte er nicht vergessen werden.

Unser tiefstes Mitgefühl gilt seinen Hinterbliebenen!

Im Namen des gesamten Teams von Lernen durch Erinnern

Thorben Pieper und Sebastian Döpp

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