Am Sonntag, den 23.05.2021, besiegelte der VfL Bochum 1848 e.V. mit einem 3:1 Sieg gegen den SV Sandhausen den Meistertitel der 2. Bundesliga und damit den direkten Aufstieg in die 1. Bundesliga. Ein Ereignis, dem die Bochumer Fußballfans seit über zehn Jahren entgegensehnen. In den Medien und in der Stadtbevölkerung wird der „kleine“ Meistertitel ausgiebig gefeiert – die erste Liga gewannen die Fußballspieler des VfL allerdings noch nie. Dennoch durften sich Fußballer aus Bochum bereits einmal als Deutsche Meister feiern lassen.

Am 26.06.1938, nur etwas mehr als zwei Monate nach der eigentlichen Gründung des VfL Bochum 1848, gewann die Mannschaft von Schild Bochum die Fußballmeisterschaft der jüdischen Vereine mit einem 4:1 Sieg gegen Titelverteidiger Schild Stuttgart. Der Verein, 1925 als TuS Hakoah (hebräisch: „Kraft“) Bochum gegründet, musste sich 1933 auf Druck der Nationalsozialsten in Schild Bochum umbenennen. Der Verein entwickelte sich nach seiner Gründung rasant weiter: Zehn Monate später, registrierte der Verein bereits ca. 300 aktive und passive Mitglieder – beeindruckend, wenn man bedenkt, dass zu diesem Zeitpunkt in Bochum insgesamt 1115 Jüdinnen und Juden gemeldet waren. Auch sportlich konnte der Verein in seine Anfangszeit schnell auftrumpfen und holte mehrere Titel im Ligensystem des Vintus-Verbands (einem Verband für jüdische Sportvereine).

Die Mannschaft von Schild Bochum 1938. Mit freundlicher Genehmigung des Fanprojekts Bochum.

Das sportliche Niveau dieser Liga war eher gering einzuschätzen, ebenso wie das der Organisation. Nach 1933 wurden die meisten jüdischen Sportler:innen und Funktionär:innen aus ihren angestammten paritätischen Vereinen gedrängt und schlossen sich teilweise den jüdischen Vereinen an. Hier sorgten sie für eine allmähliche Professionalisierung der Strukturen und des Ligabetriebs und des reichsweiten Schild-Sportverbands. Das sollte sich ab 1937 allerdings massiv ändern – immer mehr Jüdinnen und Juden emigrierten aufgrund der stark zunehmenden Repressalien, Anfeindungen und Diskriminierungen. Die Mannschaft von Schild Bochum blieb allerdings vorerst fast unverändert zusammen und wurde mit nur einer Niederlage in der Saison 1937/38 Westdeutscher Meister.

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In den Qualifizierungsrunden für das Finale um die Deutsche Meisterschaft, siegte man dann etwas überraschend gegen Schild Frankfurt und Schild Hamburg und stand als erste westdeutsche Mannschaft in der Finalrunde. Wie bereits erwähnt gewann man überraschend gegen Titelverteidiger und Favorit Schild Stuttgart.

Das Team bestritt in der darauffolgenden Saison noch zwei Liga spiele, ehe vier Wochen später die Pogrome des 9./10. November auch das Ende für den jüdischen Sport bedeuteten. Bis heute ist diese Deutsche Meisterschaft die Einzige, die den Weg an die Castroper Straße gefunden hat. Denn hier, an der Hausnummer 2, befand sich früher das Vereinsheim. Das sich dort befindende Grünstück soll nun in Erich-Gottschalk-Platz umbenannt werden – im Gedenken an den Spielführer der Schild Meistermannschaft.

/Sebastian Döpp

Weiterlesen:

Henry Wahlig: Bochums vergessene Fußballmeister. Die jüdische Sportgruppe Bochum 1925-1938, in: Zeitpunkte 19 (2007). Abzurufen hier.

Fanprojekt Bochum (Hrsg.): Erinnerungsorte am Fußballstandort Bochum. 1848 1938 – nur damit es jeder weiß, Bochum 2017, S. 14-16). Abzurufen hier.

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